Profitec Move 2.0 Brew-by-Weight im Praxistest

Auf der World of Coffee war sie für uns das Highlight: Profitec war einer der ganz wenigen Hersteller, die wirklich etwas Neues mitgebracht haben. Jetzt stand die Move 2.0 ein paar Tage bei uns zu Hause – Zeit, sie richtig auf die Probe zu stellen.

Wir haben sie eingerichtet, mit der App und einer Smartwaage gekoppelt, Espresso nach Gewicht gebrüht, Milch geschäumt und genau hingeschaut, wo sie glänzt und wo noch Luft nach oben ist.

Espresso läuft in ein Glas unter der Brühgruppe der Profitec Move 2.0
Manometer der Profitec Move 2.0 mit Profitec-Logo
Bedienfeld der Profitec Move 2.0 mit Display und Bezugstasten
Abtropfgitter der Profitec Move 2.0 mit beleuchteter Taste

Move 2.0 oder Move Base –

was ist der Unterschied?

Vorweg, damit es keine Verwirrung gibt: Die bisherige Move heißt ab jetzt Move Base und wird langfristig durch die Move 2.0 ersetzt. Die Move 2.0 unterscheidet sich vor allem in einem Punkt: Sie kann Brew-by-Weight.

Dafür sitzt vor dem Magnetventil ein Sensor, der den Bezug steuert. Ihr koppelt eine Smartwaage über die Profitec-App mit der Maschine und legt fest, wie viel Gramm Espresso auf den Tasten in der Tasse landen sollen. Statt nach Zeit – wie ihr es von der Move Base oder der GO kennt – brüht die Maschine dann nach Gewicht.

Richtig gut gelöst ist der Offline-Modus: Ist die Waage eingeschaltet und steht an der Maschine, brüht die Move 2.0 auch ohne geöffnete App nach Gewicht. Das Handy muss also nicht dauernd danebenliegen. Passt, denn am Ende ist und bleibt sie eine Dampfmaschine – und darf sich auch so anfühlen.

Smartphone mit Brew-by-Weight App neben Profitec Move 2.0 Siebträgermaschine,
Espresso läuft aus chromatischem Siebträger der Profitec Move 2.0 in Tasse, glänzende Metalloberfläche und Armatur sichtbar
Nahaufnahme Manometer und Edelstahlgehäuse der Profitec Move 2.0 Siebträgermaschine mit Markenlogo

Ein Stück kompakter

An der Standfläche hat sich nichts geändert. Weil der Kaffeekessel etwas kleiner und das Gehäuse flacher geworden ist, fällt die 2.0 aber ein paar Zentimeter niedriger aus: 42 cm tief, 35 cm hoch, 27 cm breit. Oben ist sie gegenüber der ersten Move außerdem etwas schmaler geworden. Die übrigen Spezifikationen bleiben weitgehend gleich – die eigentliche Neuerung steckt in Sensor und Software.

Die App: einstellen statt fummeln

Die Verbindung ist schnell hergestellt: Maschine an, in der App suchen, per Bluetooth koppeln. Mit der Waage genauso – bei uns hat sogar eine richtig alte Acaia auf Anhieb funktioniert.

Auf dem Startbildschirm seht ihr, was auf welcher Taste eingestellt ist, die Temperaturen und live das Gewicht auf der Waage. Oben schaltet ihr zwischen Brew-by-Weight und Brew-by-Time um. Einstellen lässt sich unter anderem:

  • Zielgewicht pro Taste – wir haben für 1:2 bei 16 g Dosis 32 g hinterlegt.
  • Brühtemperatur – ab Werk 94 °C, für unseren Hafen Silber gehen wir es etwas kühler an.
  • Dampfkesseltemperatur – eigentlich mögen wir 123 °C, wegen der kleinen Löcher in der Dampfdüse haben wir 127 °C gewählt.
  • Pumpenlaufzeit – eingestellt waren 35 und 40 Sekunden.
  • Pre-Infusion – ab Werk 3 Sekunden Pumpe, 5 Sekunden Pause. Schön gelöst: Die Maschine öffnet dafür nicht das Magnetventil, sondern bringt das Wasser zum Kaffee, hält es dort und startet die Pumpe dann erneut. Wir sind bei den Flussraten vorsichtig und nehmen lieber 2 und 4 Sekunden.
  • Dampfkessel an/aus, Fast Heat (knapp 7 Minuten bis zur Betriebstemperatur), Eco-Modus, automatisches Ein- und Ausschalten, Reinigungs- und Wasserfilter-Erinnerung, Barista-Lights und Temperatureinheit.

Einmal auf Speichern tippen, und die Maschine übernimmt alles. Unser Tipp: Selbst wenn ihr keine Waage nutzt, lohnt sich die App – das ist deutlich angenehmer als das kleine Display und die unbeschrifteten Tasten.

Der Praxistest: 16 g rein, 32 g raus

Als Baseline haben wir unser Standardrezept für den Hafen Silber genommen: 16 g aus der Mühle, 32 g in die Tasse – also klassisch 1:2.

Nach drei, vier Shots hintereinander war klar: Die Maschine landete jeweils 1,5 bis 2 g unter dem Ziel. Bei so einer dunklen Röstung finden wir das nicht dramatisch, und es lässt sich leicht ausgleichen: Wir haben in der App einfach 34 g eingestellt – und hatten prompt 32,3 g in der Tasse. Gut möglich, dass Profitec den Algorithmus per Software-Update noch nachschärft.

Richtig spannend ist der Live-Graph während des Bezugs: Auf der X-Achse läuft die Zeit, links seht ihr den Druck, rechts das Gewicht in der Tasse. Darüber zeigt die App Gramm pro Sekunde, den aktuellen Druck, das Gewicht und wie viel Prozent vom Rezept schon erreicht sind. Bei unserem Shot: 201,9 % (200 % entsprechen 1:2) und 9,1 bar in der Spitze.

Anschließend lässt sich der Shot mit Infos zu Bohne, Equipment, Mahlgrad und Temperatur speichern. So baut ihr euch nach und nach eine eigene Kaffee-Bibliothek auf – praktisch, wenn ihr mit einer Single-Dosing-Mühle zwischen zwei, drei Lieblingskaffees wechselt.

Der ganze Test im Video

Im Video zeigen wir euch jeden Schritt – vom Koppeln der Waage über die Einstellungen in der App bis zum Flat White.

Beim Laden werden Daten an YouTube übertragen.

Milchschaum: Zeit für Textur

Für den Milchtest gab es einen Flat White – und der war sehr lecker. Das Schäumen klappt gut, aber ihr habt, diplomatisch gesagt, viel Zeit: Durch die kleinen Löcher in der Dampfdüse dauert es eine ganze Weile, bis die Milch vernünftig texturiert ist. Mehr als eine 0,35-l-Kanne ist damit kaum sinnvoll – es sei denn, ihr holt euch die Vierlochdüse von ECM bzw. Profitec dazu. Dann geht es eine Ecke schneller.

Dafür ist der 0,75-l-Dampfkessel schnell wieder auf Temperatur, auch wenn ihr zwei, drei Getränke hintereinander macht.

Und geschmacklich? Interessant: Die ersten Shots, bei denen nur rund 30 g herauskamen, haben uns beim Hafen Silber sogar noch etwas besser geschmeckt – mehr Körper, mehr Bums. Der 1:2-Shot war trotzdem gut. Es lohnt sich also, mit dem Verhältnis zu spielen.

Was uns (noch) nicht überzeugt

  • Platz für die Waage: Mit bodenlosem Siebträger und Waage darunter wird es zwischen Brühgruppe und Gehäuse eng. Ihr müsst aufpassen, dass die Waage hinten nicht am Überlauf des Expansionsventils liegt, sonst stimmt die Messung nicht – und dann läuft der Kaffee ziemlich am Rand der Waage zusammen. Zwei Zentimeter mehr Abstand nach vorne, und es wäre astrein.
  • Dampfdüse: Im Lieferumfang würden wir uns eine Vierlochdüse wünschen – oder die Tornado-Düse von ECM mit Adapter.
  • Sieb: Das mitgelieferte Standardsieb könnte Profitec gegen ein Präzisionssieb tauschen.

Auf der Habenseite: eine lange, tiefe Abtropfschale mit viel Platz zum Arbeiten. Und ein interessantes Detail: Die Abstellfläche endet nicht direkt vorne an den Füßen, sondern ist ein Stück zurückgesetzt. Dadurch steht der Siebträgergriff nicht so weit über und die Maschine wirkt insgesamt kompakter.

Espressoglas auf einer Waage unter der Brühgruppe der Profitec Move 2.0

Unser Fazit

Wir sind große Fans der Move 2.0. Die App ist intuitiv, das Koppeln mit der Waage geht schnell und hat bei uns jedes Mal sofort geklappt – mit so gut wie jeder Smartwaage. Einstellungen am Smartphone sind deutlich angenehmer als über das kleine Display. Kaffee und Dampfleistung stimmen, die beiden mitgelieferten Silikonaufsätze sind durchdacht.

Getestet haben wir ein Vorserienmodell, das sich schon sehr nah an der Serie angefühlt hat. Für den geplanten Preis bekommt ihr viel Maschine – und die kleine Abweichung beim Zielgewicht lässt sich leicht umgehen.

Gut zu wissen: Sensor und App sollen als Kit auch für die bisherige Move und die Move Base nachrüstbar werden. Wann und zu welchem Preis, steht noch nicht fest. Zum Start gibt es die Move 2.0 in Schwarz und Gelb, Rot und Blau sollen folgen – eine Edelstahl-Version würden wir uns wünschen.

Zusammen mit einer Grind-by-Weight-Mühle habt ihr ein Setup, das zwar kein Vollautomat ist, aber sehr zuverlässig richtig guten Kaffee macht.

Die Move 2.0 ist voraussichtlich ab dem 2. Oktober bei uns erhältlich. Die Bohnen aus dem Test (Hafen Silber) und die Waage (Acaia Pearl S) findet ihr ebenfalls im Shop. Was sollen wir uns an der Move 2.0 noch genauer ansehen? Schreibt es uns in die Kommentare auf YouTube.

Häufig gestellte Fragen

Die Profitec Move 2.0 ist eine kompakte Espressomaschine mit App-Anbindung und Brew-by-Weight-Funktion. Sie brüht Espresso nicht nur nach Zeit, sondern in Verbindung mit einer Smartwaage nach Zielgewicht.

Die Move Base ist die bisherige Move mit schwarzer Front und Kunststoffgriffen. Die Move 2.0 kommt zusätzlich ins Sortiment und bietet als wichtigste Neuerung Brew-by-Weight über Sensor, App und gekoppelte Smartwaage.

Über die Profitec-App wird eine Smartwaage per Bluetooth gekoppelt. Danach legt man ein Zielgewicht pro Bezugstaste fest. Die Maschine stoppt den Bezug automatisch, sobald das gewünschte Gewicht erreicht werden soll.

Ja. Wenn die gekoppelte Waage eingeschaltet ist und an der Maschine steht, kann die Profitec Move 2.0 im Offline-Modus auch ohne geöffnete App nach Gewicht brühen.

Im Praxistest lag die Maschine bei einem Ziel von 32 Gramm meist etwa 1,5 bis 2 Gramm darunter. Das ließ sich einfach ausgleichen, indem in der App ein etwas höheres Zielgewicht eingestellt wurde.

Die App ist intuitiv und erleichtert viele Einstellungen wie Zielgewicht, Brühtemperatur, Dampfkesseltemperatur, Pre-Infusion, Fast Heat, Eco-Modus und automatische Startzeiten deutlich gegenüber dem kleinen Maschinendisplay.

Die Profitec Move 2.0 lohnt sich für Espresso-Fans, die reproduzierbare Bezüge, App-Komfort und Brew-by-Weight in einer kompakten Maschine suchen. Besonders spannend ist sie in Kombination mit einer Grind-by-Weight-Mühle.