Ihr wolltet schon immer eine Single-Dosing-Mühle, aber die bekannten Namen waren euch zu teuer? Dann lohnt sich ein Blick auf die Eureka Mignon Zero 55S. Sie kostet 259 Euro und bringt einen 310-Watt-Motor und 55-mm-Flachscheiben mit.
Wir haben zwei Kaffees durch die Mühle geschickt: unseren Hafensilber als dunkle Röstung und einen hellen Indonesier von La Bohème. Dabei haben wir geprüft, wie konstant sie Shot für Shot arbeitet. Danach haben wir sie aufgeschraubt, um zu sehen, wie viel Kaffee wirklich drin bleibt.
Was die Zero 55S mitbringt
Technik und Lieferumfang
Die Zero 55S gehört zur 1920-Linie von Eureka, also zur einfacher gefertigten Reihe unterhalb der Oro-Linie. Das Gehäuse ist aus Aluminium-Druckguss, die Anbauteile sind aus Kunststoff. Bei uns gibt es die Mühle in Mattschwarz, was ihr gut steht: So fällt der Kunststoff kaum auf.
- Maße (B/T/H): 12 × 21,5 × 36,3 cm, die Standfläche selbst ist rund 14 cm tief
- Gewicht: 5,6 kg
- Motor: 310 Watt, 1.350 Umdrehungen pro Minute
- Mahlscheiben: 55 mm flach, gehärteter Stahl (bei Eureka „Espresso & Brew Design“)
- Mahlleistung: 1,8 bis 2,5 g/s für Espresso
- Einstellung: stufenlos, mit großem King-Size-Dial
- Fassung: Bohnenbehälter 150 g, Dosierbecher 45 g
- Lautstärke: 51 dB laut Eureka
- Garantie: laut Eureka 10 Jahre auf den Motor
In der Box liegen ein Dosierbecher, der auf 58-mm-Siebträger passt, eine Gabel, die ihn hält, und ein kleiner abgedunkelter Bohnenbehälter mit Blasebalg. Mehr braucht man bei so einer Mühle nicht, und mehr erwarten wir bei diesem Preis auch nicht.
Der Start-Hebel an der Front
Der Ein- und Ausschalter sitzt an der gewohnten Stelle, startet das Mahlwerk aber nicht mehr sofort. Das übernimmt jetzt ein kleiner Metallhebel vorne am Becherhalter, bei Eureka heißt er Easy Switch. Sie kann also eingeschaltet bleiben, und ihr müsst zum Mahlen nicht mehr nach hinten greifen.
Das hilft vor allem, wenn euer Setup wenig Platz in der Breite hat und die Mühle direkt neben der Maschine steht. Für uns ist das die beste Neuerung an dieser Mühle.
Blasebalg: erst bis zum Anschlag drücken
Den Bohnenbehälter müsst ihr wirklich bis zum Anschlag in die Aufnahme drücken. Sonst entweicht die Luft durch den offenen Schlitz an der Seite, und der Blasebalg verpufft im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ihr das wisst, ist es kein Problem.
Sanft pumpen reicht allerdings nicht. Ihr müsst schon mit etwas Nachdruck arbeiten, damit die Reste herauskommen. In einer offenen Küche hört man das früh am Morgen. Das liegt auch daran, dass die Mühle aufrecht steht und nicht leicht nach vorne geneigt ist.
Dosierbecher und Gabel
Der Dosierbecher sitzt gut in der Gabel, vibriert beim Mahlen aber mit. Uns hat er sich ein- oder zweimal herausgedreht und hing dann schief. Herunterfallen kann er nicht, solange die Mühle gerade steht. Wenn ihr sie mit einem Keil aus dem 3D-Drucker anwinkelt, kann er aber herausrutschen.
Schade finden wir, dass kein normaler 58-mm-Siebträger in die Gabel passt. Direkt in den Siebträger mahlen geht also nicht. Das ist sicher dem Preis geschuldet.
Der ganze Test im Video
Im Video seht ihr jeden Schritt: die Shots mit beiden Kaffees, die Verkostung und den Blick in die Mahlkammer.
Test 1: Hafensilber, dunkel geröstet
Unser Rezept: 16 g rein, Ziel 32 g raus, 90 °C Brühtemperatur. Der erste Shot brachte 30 g in 27 Sekunden. In der Tasse: viel Süße, viel Schokolade und Honig, ein dicker, viskoser Kaffee. Ein klassisch italienischer Espresso, wie wir ihn uns vom Hafensilber wünschen.
Der zweite Shot mit denselben Einstellungen lief schneller: rund 31 g in 25 Sekunden, mit etwas mehr Säure, geschmacklich aber sehr nah am ersten. Ganz konstant ist das nicht, wir haben allerdings auch von Hand getampt. Für dunkle Kaffees ist das vertretbar, im Milchgetränk fällt es kaum auf.
Test 2: Indonesia Kerinci von La Bohème, hell geröstet
Hier sind wir mit 18 g und 94 bis 95 °C gestartet, den Mahlgrad haben wir nicht verändert. Das Ergebnis: 41 g in 28 Sekunden. Der Kaffee war sehr säurebetont und spritzig, das Bunte und Gummibärchenartige kam gut heraus. Wir würden ihn beim nächsten Mal einen Tick gröber stellen und vielleicht noch etwas länger ziehen.
Auch hier lief der zweite Shot etwas schneller: 42 g in 25 Sekunden. Klar ist: Das Mahlwerk liefert viel Körper und tendiert auch bei hellen Röstungen in diese Richtung. Als Grundlage für Milch passt das sehr gut.
Aufgeschraubt: Wie viel bleibt drin?
Mühle vom Strom trennen, das Eureka-Logo hinten abziehen, und mit einem Kreuzschlitzschraubenzieher kommt ihr an die Mahlkammer. Kaffeereste fanden wir um die obere Mahlscheibe, am Rand, in den Schraubenlöchern und etwas vor dem Flapper.
Insgesamt waren das knapp unter 1 g permanenter Totraum. Das ist mehr, als Eurekas Versprechen „Zero Waste“ vermuten lässt, einen Zahlenwert nennt der Hersteller allerdings nicht. Bei dieser Konstruktion finden wir das in Ordnung. Viel davon tauscht sich ohnehin aus, wenn ihr einen Kaffee nach dem anderen macht.
Was uns (noch) nicht überzeugt
- Channeling: Trotz des ACE-Systems gegen Klumpen entstehen ein paar Klümpchen. Wir empfehlen ein WDT-Tool, ein Distribution-Tool oder einen Blindshaker.
- Blasebalg: Er funktioniert nur mit ganz eingedrücktem Behälter und ist nicht leise.
- Dosierbecher: Er sitzt wacklig in der Gabel.
- Gabel: Ein 58-mm-Siebträger passt nicht hinein.
- Präzision: Sie reicht nicht an Mühlen heran, die das Doppelte oder Vierfache kosten.
- Farbe: Bei uns gibt es sie nur in Mattschwarz.
Unser Fazit
Für 259 Euro bekommt ihr mit der Eureka Mignon Zero 55S wirklich viel Mühle. Die Einstellbarkeit ist sehr gut, die Reproduzierbarkeit auch, fast alles kommt wieder heraus, und der Motor hat genug Kraft. Geschmacklich funktioniert sie mit hellen und dunklen Kaffees, mit und ohne Milch. Im Vergleich mit einer Niche Zero lagen die Ergebnisse beim Hafensilber sehr nah beieinander: viel Körper, etwas weniger Detail.
Gefertigt wird sie im Eureka-Werk in China, was der Qualität nicht schadet. Rein von der Verarbeitung ist das guter 1920-Standard. Eine Reisemühle ist sie nicht, vom Format her bleibt sie eine normale Haushaltsmühle.
Für uns ist die Zero 55S ein starker Einstieg ins Single Dosing und eine sehr gute Zweitmühle, zum Beispiel für den Entkoffeinierten am Nachmittag. Die Kaffees aus dem Test: Hafensilber und Indonesia Kerinci von La Bohème.
Häufig gestellte Fragen
Die Eureka Mignon Zero 55S kostet im Test 259 Euro und positioniert sich damit als günstiger Einstieg ins Single Dosing.
Sie eignet sich für Heimbaristas, die eine kompakte Single-Dosing-Mühle für Espresso suchen, sowie als Zweitmühle, etwa für entkoffeinierten Kaffee.
Die Mühle arbeitet mit 55-mm-Flachscheiben aus gehärtetem Stahl und einem 310-Watt-Motor mit 1.350 Umdrehungen pro Minute.
Im Test blieben knapp unter 1 Gramm permanenter Totraum in der Mahlkammer, unter anderem an der oberen Mahlscheibe und vor dem Flapper.
Nein, ein normaler 58-mm-Siebträger passt nicht in die Gabel. Gemahlen wird in den mitgelieferten Dosierbecher.
Die Mühle lieferte gute, aber nicht perfekte Reproduzierbarkeit. Die zweiten Shots liefen im Test jeweils etwas schneller als die ersten.
Ja, sie funktioniert auch mit hellen Röstungen, liefert dabei aber eher viel Körper und etwas weniger Detail als teurere Mühlen.